Neubaupläne

Ein 1893 erstellter Entwurf des Bochumer Regierungsbaumeisters Hermann Wielers und des Wittener Architekten Franz Xaver Rademacher mit einem Kostenvoranschlag von 342000 Mark, den 2.3.6 neubauplaeneder Kirchenvorstand genehmigte, sah eine dreischiffige „gotische“ Hallenkirche mit Querhaus und Raum für 1513 Steh- und 677 Sitzplätze vor. Die Angaben zeigen, dass der Bauherrin nicht nur an einem größeren Raum für die wachsende Gemeinde gelegen war. Das Repräsentationsbedürfnis der katholischen Kirche im sich verändernden Stadtbild war ebenfalls gestiegen. Hierfür kann vor allem die geplante Doppelturmfassade als Indiz gelten. 1892 hatte man die evangelische neugotische Gedächtniskirche eingeweiht, die mit breiter finanzieller Unterstützung der protestantischen Bürgerschaft Wittens – darunter viele Industrielle – gebaut und reich ausgestattet worden war. Außerdem hatte sich 1884/85 die jüdische Gemeinde an der Breite Straße nach den Plänen Xaver Rademachers eine Synagoge im repräsentativen orientalischen Stil errichten lassen.
Fällt der Bau der neuromanischen Basilika in die erste Industrialisierungsphase Wittens, die von den 30er Jahren bis zur Reichsgründung reichte, so sind die Neubaupläne vor dem Hintergrund eines zweiten Industrialisierungsschubes, der für die Zeit zwischen 1890 und 1914 festzustellen ist, zu sehen. Ohne eine Entsprechung in der allgemeinen Stadtentwicklung ist der Enthusiasmus der Mariengemeinde bzw. ihres Vorstandes, welcher in dem ehrgeizigen Neubauprojekt zum Ausdruck kommt, heute schwer verständlich. Die Gemeinde selbst verfügte über relativ geringe finanzielle Mittel, musste also in jedem Fall auch auf Spenden von außerhalb hoffen. Immerhin sollte wegen des ausgreifenden Grundrisses der neuen Kirche auch das Pfarrhaus abgerissen werden.
Das Generalvikariat in Paderborn verweigerte jedoch strikt die Genehmigung zum Neubau und erklärte grundsätzlich nur die Bereitschaft, für eine Erweiterung der vorhandenen Bausubstanz die Genehmigung zu erteilen. Immerhin hatte sich der zuständige Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig zunächst ausdrücklich für den Abriss ausgesprochen. Er selbst hatte ebenfalls einen Entwurf für einen Neubau vorgelegt, der aber bei den Wittenern auf Ablehnung gestoßen war. Mit der Erhaltung der Basilika blieb auch die Neuromanik weiterhin Stilvorgabe.