Die Glocken der St. Marien Kirche

Das erste Bronze-Glockengeläut der Marienkirche wurde 1850 gegossen. Es bestand aus drei Glocken, die alle die Inschrift trugen: „Der Junggeselle Georg Claren, Greis von 68 Jahren, trug bei Sieglar, nah bei Bonn, dieses Gusses Ruhm davon. August 1850“.
Glocken2Die drei Glocken waren der Mutter Gottes, dem hl. Josef und dem hl. Johannes dem Täufer geweiht.  Die Inschrift auf der Johannesglocke erinnerte an Johannes als Pfarrpatron Wittens vor der Reformation und griff den Gedanken der Wiedervereinigung im Glauben auf:
„St. Johannes, rufe laut, dass ein Hirt und eine Herde bald auch an dem Orte werde, der dir einstens war vertraut.“
Als 1896 die Marienkirche erweitert wurde, bekam die Wittener Glockengießerei Munte den Auftrag, eine vierte größere Glocke mit dem Bild des göttlichen Erlösers zu gießen. Sie war 30 Zentner schwer. Dieses wertvolle Geläut wurde mit Ausnahme der Johannesglocke im Juni 1917 für Kriegszwecke eingeschmolzen.
Seit 1920 wurden vier Gußstahlglocken aus den Buderuswerken in Wetzlar verwandt, die 1945 bei der Bombardierung aus dem Turm stürzten und bis 1955 schrottreif neben der Kirche standen.

2.3.11 Glocken1Die heutigen Glocken:
Genau am zehnten Jahrestag nach dem Unglück, als die Glocken der Marienkirche zerstört worden waren, am 19. März 1955, fuhren etwa 100 Gemeindemitglieder zur Glockengießerei nach Gescher, um dabei zu sein, wenn das neue Geläut für die Marienkirche, bestehend aus fünf Bronzeglocken, gegossen wurde. Es sollte ein großes und schönes Geläut entstehen.
Seit 40 Jahren war in Gescher keine so große Glocke mehrgegossen worden wie
die jetzt neu entstehende Marienglocke des Wittener Geläutes.
Die Marienglocke misst 2,02m im Durchmesser und ist 105 Zentner schwer. Sie ist der Kirchenpatronin geweiht und trägt die Inschrift:
„AUXILIUM+CHRISTIANORUM+ORA+PRO+NOBIS“ – „Du Hilfe der Christen, bitte für uns“.

Die zweite Glocke ist dem hl. Josef geweiht. Sie trägt die Inschrift: „SANCTE+JOSEPHE+PATRONE+MORIENTIUM+ORA+PRO+NOBIS“ – „Heiliger Josef, Patron der Sterbenden, bitte für uns“.
„IN+PIAM+MEMORIAM+MORTUORUM+BELLI+1939-1945+IM PRIMIS+DIEI+ 19. MARTI 1945“ – „Zum ehrenden und frommen Gedenken an die Toten des Krieges 1939-45, insbesondere derer des 19. März 1945“.
Diese Glocke läutet bei Beerdigungen zum Gedächtnis der Toten.

2.3.11 Glocken2Die dritte Glocke ist dem hl. Johannes dem Täufer geweiht und trägt die Inschrift: „PATRONE PRIMAE ECCLESIAE URBIS NOSTRAE, UT OMNIUM FIDELIUM MENTES DIRIGANTUR IN VIAM SALUTIS AETERNAE, SANCTE JOANNES, ORA PRO NOBIS“ – „Du Patron der ersten Kirche unserer Stadt, dass das Trachten aller Gläubigen auf den Weg des ewigen Heiles gerichtet sei, heiliger Johannes, bitte für uns“.

Die vierte Glocke ist dem Diözesanpatron von Paderborn, dem heiligen Liborius geweiht, dessen Gebeine bei der Übertragung von Le Mans nach Paderborn im Jahre 836 über die Ruhr getragen wurden. Die Inschrift dieser Glocke lautet: „LIBORI, PASTOR OPTIME, NOS FAC SANCTIS MORIBUS AD REGNA SANCTA CURRERE“ – „Liborius, du bester Hirt, lass uns durch ein heiliges Leben zum Reich Gottes gelangen“.

Die fünfte Glocke trägt das Wappen des heiligen Papstes Pius X., der im Jahre 1914 starb. Diese Glocke erklingt täglich dreimal zum Angelusläuten. Sie kündet das Vermächtnis ihres Patrons, der ein Erneuerer des religiösen Lebens unseres Jahrhunderts war. Die Inschrift dieser Glocke lautet:
„OMNIA INSTAURARE IN CHRISTO“ – „Alles in Christus erneuern“.

Die vier größeren Glocken tragen jeweils das Bildnis des Heiligen, dem sie geweiht sind, als Relief. Die Reliefentwürfe hat die aus der Mariengemeinde stammende Künstlerin Hilde Broer angefertigt.

Die Glockenweihe des neuen Geläutes der Marienkirche fand am Palmsonntag 1955 statt. Zur Feier der Osternacht war dann das festliche Geläute aller Glocken zum ersten Mal zu hören.


Nun noch einige technische Daten der Glocken von St. Marien:

Marienglocke (Durchmesser: 2,02 Meter, Gewicht: 105 Zentner, Tonart: Gis)

Josefsglocke (Durchmesser: 1,67 Meter, Gewicht: 60,44 Zentner, Tonart: H)

Jahannesglocke (Durchmesser: 1,47 Meter, Gewicht: 41,80 Zentner, Tonart: Cis)

Liboriusglocke (Durchmesser: 1,31 Meter, Gewicht: 28,98 Zentner, Tonart: Dis)

Piusglocke (Durchmesser: 1,09 Meter, Gewicht: 16,44 Zentner, Tonart: Fis)