Das heutige Erscheinungsbild

Von Holger Krätzig

Mit seiner Schauseite, der Südfassade, beherrscht der Backsteinbau heute neben der breiten, wuchtigen, ebenfalls in Backstein gehaltenen Fassade des Marienhospitals die Wittener Hauptstraße als deren Abschluss.

2.3.1 erscheinungsbildUnmittelbar vor dem Kirchenvorplatz treffen Ardey- und Crengeldanzstraße auf die Hauptstraße und bilden gemeinsam einen der Hauptverkehrsknotenpunkte der Ruhrstadt. Bislang ohne eigenen offiziellen Namen wurde dieser Vorplatz 1994 als „Marienplatz“ eingeweiht, als er im Rahmen des Baus einer Tiefgarage eine neue architektonische Gestaltung nach einem modifizierten Entwurf von Kehlmann/Knopp erfahren hatte.

Die Kirchenfront bietet mit der Staffelung ihrer Türme und dem dahinter aufragenden mächtigen Querhaus ein recht einheitliches Erscheinungsbild. Ganz anders zeigt sich das Gotteshaus dem Betrachter in der Seitenansicht: Das Querhaus überragt das Langhaus und wirkt insgesamt überproportioniert, die Treppentürme sind vor den Glockenturm gestellt. Außerdem zeugen Unterschiede im Mauerwerk deutlich von mehreren Bauphasen. Das dreischiffige Langhaus, dessen Mauern relativ breite Fugen und unregelmäßige hellrote Feldbrandziegel aufweisen, ist der älteste sichtbare Teil des Sakralbaues, welcher 1856-1848 errichtet wurde. Bei Chor, Querschiff und Seitenkapellen handelt es sich um eine Erweiterung aus den Jahren 1895/96, bei der auch der Glockenturm, der noch den älteren Turm als Kern in sich birgt, seine heutige Gestalt erhielt. Auch Turm und Querschiff unterscheiden sich im Mauerwerk. Im Gegensatz zum hellroten Klinker des Turmes wurde das Querschiff – vermutlich aus finanziellen Gründen – in einem dunkleren Backstein von geringer Qualität ausgeführt.
Den Bombenangriffen von 1944 und 1945 fielen vor allem die Glasfenster und die Dachkonstruktion zum Opfer. Dagegen blieb das Mauerwerk weitgehend unbeschädigt. Daher bietet St. Marien heute, nach den Renovierungsarbeiten von 1946, 1960 und 1969, hauptsächlich in der Dachkonstruktion ein anderes Bild als vor dem Zweiten Weltkrieg: Hatte zuvor ein doppeltes Walmdach, das in der Mitte von einer sechseckigen Pyramide überspannt wurde, das zweischiffige Querhaus einschließlich Kuppel gedeckt, so wurde 1946 dieses unter einem einzigen hoch aufsteigenden Wahndach zusammengefasst. 1960 verzichtete man bei der Ausführung des neuen Turmhelms auf die vier kleinen flankierenden Fialtürme.